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Untersuchungsrichterin will Ex-Regionalpräsidenten Mazón (PP) anklagen.
Der tödlichen DANA-Flutkatastrophe am 29.-30.10.24 in der Provinz Valencia fielen 230 Menschen zum Opfer. 104 davon waren über 70 Jahre alt. Etwa 60 % der Opfer starben in Gebäuden, insbesondere im Erdgeschoss ihrer Häuser, im Unterführungen und Kellern, in Tiefgaragen
Untersuchungsrichterin will Ex-Regionalpräsidenten Mazón (PP) anklagen.
Der tödlichen DANA-Flutkatastrophe am 29.-30.10.24 in der Provinz Valencia fielen 230 Menschen zum Opfer. 104 davon waren über 70 Jahre alt. Etwa 60 % der Opfer starben in Gebäuden, insbesondere im Erdgeschoss ihrer Häuser, im Unterführungen und Kellern, in Tiefgaragen und Parkhäusern, als plötzlich auftretende Sturzfluten ganze Viertel innerhalb kurzer Zeit überfluteten.
Besonders viele Todesfälle gab es zwischen 17:00 und 20:00 Uhr. Bevor die Regionalregierung der Provinz Valencia um 20:11 Uhr per Mobiltelefon ihre erste offizielle, unvollkommene Warnmeldung abschickte, waren bereits 84% der Opfer verstorben.
Der valencianische Regionalpräsident Mazón saß währenddessen von 14:45 Uhr bis angeblich 18:45 Uhr bei einem „Arbeitsessen“ mit der Journalistin Maribel Vilaplana in einem Nobelrestaurant in Valencia. Danach will er die Journalistin zum Parkplatz begleitet haben. Wo er sich danach aufhielt, ist immer noch nicht völlig geklärt. Im Notfallkomittee CECOPI traf er jedenfalls erst um 20:28 Uhr (nach der ersten Handywarnung) ein.
Dem Notfallzentrum, geleitet von der Ministerin für Justiz und Inneres (zuständig für den Bereich des Katastrophenschutzes) Salomé Pradas (PP), lagen schon frühzeitig meteorologische und hydrologische Informationen über die Schwere der Katastrophe vor, und die Möglichkeit einer Handywarnung war bereits um etwa 17:00 Uhr angesprochen worden.
Am 24. 02.26 legte Untersuchungsrichterin Nuria Ruiz Tobarra jetzt dem Obersten Gerichtshof Valencias einen 109-seitigen Bericht vor, in dem sie beantragt, die parlamentarische Immunität Mazóns aufzuheben, um ihn anklagen zu können. Mazón war am 03.11.2025, kurz nach dem Jahrestag der Katastrophe, nach anhaltenden Protesten der Opferverbände als Ministerpräsident zurückgetreten, hält aber bis heute seinen Abgeordnetenmandat aufrecht.
Aus dem Bericht: „Die Schwere der Fahrlässigkeit, das Unterlassen der Pflicht, die verschiedenen Einrichtungen der autonomen Verwaltung in einem Notfall zu koordinieren – der stets in der Zuständigkeit der autonomen Verwaltung lag – ergaben sich aus verschiedenen Informationsquellen, die den Präsidenten zum Handeln verpflichteten. Seine vollkommen passive Anwesenheit über nahezu fünf Stunden hinweg in einem separaten Raum eines Restaurants würde eine mutmaßliche grobe Fahrlässigkeit mit schwerwiegenden tödlichen Folgen belegen: 230 Todesopfer, zu denen noch die Verletzten hinzukommen“, heißt es in der Darstellung. Die fehlende Koordination zwischen den Ministerien der Regionalregierung belege die „äußerst schwerwiegende und fahrlässige Passivität (Mazóns), der die Funktionen bei der Bewältigung des Notfalls hätte übernehmen können und müssen“. Als der Präsident im Notfallzentrum eintraf, hatte sich das „tödliche und verletzende Ergebnis“ bereits „praktisch vollständig“ ereignet. „Das Ausbleiben von Maßnahmen zur Warnung und zum Schutz der Bevölkerung war der entscheidende Faktor für die hohe Zahl der Todesopfer während der DANA vom 29. Oktober 2024“. Die Ermittlungsrichterin schreibt Mazón vorläufig ein mutmaßliches Verbrechen der fahrlässigen Tötung mit erheblicher Schwere infolge von „unterlassenen Handlungen“ und einer „Kette von Fahrlässigkeit“ vor.