
Im Sommer des Jahres 1897 verliert El pueblo nuevo del Mar seine Unabhängigkeit und wird zu einem Stadtteil von Valencia mit dem Namen "El Cabanyal". Die reicheren Bürger von Valencia entdecken immer mehr das Meer und die Strände des Cabanyal zur Erholung. Es ist eine Zeit des Aufschwungs: Bau neuer Häuser entsprechend dem bisherigen Städtebauplan von 1840; Ausbau der Calle de la Reina mit einigen Sommerresidenzen von Bürgern Valencias; Bau des Schwimmbads am Meer El Balneario Las Arenas; Bau der Straßenbahn ins und im Cabanyal.
Eine Übersicht über weitere Kultur in Valencia kann man hier im Internet finden: Depaseo por Valencia und Valencia en blanca y negro.
Durch die Industrialisierung entwickelten sich auch im Cabanyal die Klassen der Arbeiter und Fischer, die keinen Besitz an Booten oder Fabriken hatten. Dies führte bei den Fischern, wie im vorigen Kapitel schon erwähnt, zu einer neuen Fischerkooperative, El Progreso de Pescadores.
In der Marina Auxiliante, gegründet 1987, dominierten mittlerweile hauptsächlich die "Patrones", die reicheren Fischer, die Bootsbesitzer oder Besitzer von Schreinereien. Im Jahr 1902 organisierten sich deshalb die Fischer, die keinen Besitz hatten, in der Kooperative El Progreso de Pescadores. Sie trennten sich damit von der Marina auxiliante, um streiken zu können. El Casinet war der Sitz, Versammlungsort und Unterbringung von Materialien dieser neuen Kooperative.
Gleichzeitig organisierten sich die Arbeiter, auch im Cabanyal, in der Gewerkschaft CNT (Confederación Nacional del Trabajo).
Unter der Diktatur des Franco-Regimes wurden alle diese Organisationen mit der Begründung, sie seien marxistisch, aufgelöst.
Gegen die immer noch bestehende Monarchie und für demokratische Freiheiten erlebt die republikanische Bewegung einen großen Aufschwung. 1931 proklamiert Alcalá Zamora am 14. April 1931 die zweite spanische Repulik. König Alfons XIII. erkannte im Wahlresultat ein Votum gegen die Monarchie und verließ – ohne formell auf seinen Thronanspruch zu verzichten – das Land.
Der Schriftsteller Blasco Ibañez (1867-1928) schließt sich der republikanischen Bewegung gegen die Monarchie und den Klerus an. Er publiziert die progressive Zeitschrift "El pueblo" und schreibt viele Bücher über das Leben der Fischer und Bauern im Cabanyal und in Albofera. Sein Haus in Malvarrosa ist zu einem Museum umgebaut.
Sorolla ist ein Künstler des Impressionismus, ein Künstler des Lichtes und der Farbe, er malt u.a. Bilder über die Arbeit der Fischer, über das Meer und ist berühmt für seine Farben. Er unterstützt auch die republikanische Bewegung und ist mit Blasco Ibañez befreundet. José Benlliure ist ebenfalls ein bekannter Maler aus dieser Zeit, der im Cabanyal Canyamelar geboren ist. Eine Straße ist nach ihm benannt.
Die im El Cabanyal seit Anfang des 20. Jahrhundert entwickelte Architektur ist der sogenannte populäre Jugendstil (spanisch: Modernismo). Diese Jugendstilart ist naiv, farbig, sich wiederholend, aber auch eigentümlich, handwerklich, frei von Normen, verzierend und direkt. Die Fliesen (Azulejos) haben helle Farben, gemischt mit blau, grün und weiß, die Farbgebung entspricht den Farben der Fischerboote. Charakteristisch sind die marineren Motive (z.B. Motive vom Fischfang) und auch Motive mit verschiedensten Blumen.
Die noch erhaltenen Häuser des Cabanyal im Jugendstil sind überwiegend denkmalgeschützt. Mehr dazu siehe auf Seite Kultur, Jugendstilhäuser.
Der spanische Bürgerkrieg wurde von Juli 1936 bis April 1939 zwischen der demokratisch gewählten Volksregierung der und den rechtsgerichteten Putschisten unter General Franco ausgerichtet. Nach dem Sieg der Franquisten im Jahr 1939 endete der Franquismus erst 1975 mit dem Tod Francos. Auch im Cabanyal gab es eine große Kämpfe der demokratischen Bewegung gegen Franco.
In der Zeit unter Franco hielt man sich auch nicht mehr an den seit 1840 geltenden Städtebauplan des Cabanyal. Die Auflage nur zwei- oder dreistöckige Häuser zu bauen, wurde aufgehoben, so dass heute im Cabanyal zwischen den niedrigen Häusern hohe Häuser mit vielen Stockwerken stehen, die das einheitliche Stadtbild zerstören.
Die Fischergenossenschaft "Marina Auxiliante" spielte im Fischerdorf Cabanyal eine sehr starke Rolle. Von und für diese Fischerzunft wird die Lonja de Pescadores 1904 erbaut. Sie war zuerst als Wohnhäuser in Verbindung mit Fischverkauf geplant. Dieser Nutzen war aber nur von kurzer Dauer. Im ersten Weltkrieg wurde die Lonja de Pescadores kurz nach ihrer Erstellung als Lazarett genutzt. Sie lag genau in der Abrisszone des Plans PEPRI. Jetzt kann sie erhalten bleiben. Derzeit dient die Lonja als Wohnraum.
Die Geschichte von El Cabanyal reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Seitdem hat sich dieser Ort zu einem wichtigen kulturellen Erbe entwickelt.