
Seit der Eingemeindung des Cabanyal in die Stadt Valencia gab es den Plan, Valencia durch eine breite neue Avenida direkt an das Meer und den Strand anzubinden. Die vom Zentrum Valencias Richtung Meer gebaute Avenida Blasco Ibañez endete aber vor dem Cabanyal. 1960 gab es erste genauere Vorschläge, diese Avenida bis ans Meer durch den Abriss von Häusern durch das Cabanyal zu führen.
Der Widerstand gegen diese Pläne war von Anfang an sehr groß. Aus zwei Gründen: Ein beträchtlicher Teil der Häuser stellen einmalige Beispiele des Jugendstils (Modernismo) des 19. Jahrhunderts dar. Außerdem wäre durch den Bau der Avenida bis ans Meer mitten durch das Cabanyal die Einheit des Stadtteils zerstört worden.
Auf Grund seiner besonderen städtebaulichen Struktur und seiner im volkstümlichen Jugendstil erbauten Wohnhäuser wurde das gesamte Gebiet im Jahr 1993 von der Kulturbehörde des Landes Valencia (“Consellería de Cultura de la Generalitat Valenciana”) zum Kulturdenkmal (“Bien de Interés Cultural”) erklärt.
(Bild: Das Abrissgebiet des Cabanyal nach dem Plan PEPRI ab 1997. (Foto aus www.cabanyal.com))
Die von der Partido Popular gestellte Stadtregierung beschloss am 25. Mai 2001 trotz aller Proteste der Bewegung "Salvem el Cabanyal" den Bau der Avenida mit dem Bebauungsplan PEPRI. Wegen dem Denkmalschutz sollte die Avenida "nur noch" eine Breite von 48 Metern haben (P = Protección in PEPRI), entgegen der anfänglichen Absicht von 100 Metern Breite (Plan El PERI). Zusammen mit der geplanten 5-geschossigen Bebauung rechts und links der Avenida sollte die Trasse eine Breite von 148 Metern bekommen. 1600 Wohnungen sollten zerstört werden und ca. 1200 Familien umgesiedelt werden. Die gleichen Grundstücke sollten dann zu Marktpreisen zum Kauf an private Unternehmen zum Neubau teurer Immobilien angeboten werden.
Während die Stadtregierung in diesen Jahren immer wieder Einzelabrisse von Häusern vollziehen konnte, versuchte sich die Initiative "Salvem el Cabanyal" über Demonstrationen leider erfolglose Klagen bis hin zum obersten Gericht den weiteren Abriss abzuwehren. Viele Familien werden gegen Entschädigung zu Niedrigpreisen enteignet. Im Jahr 2010 griff sogar das von den Sozialisten dominierte Kulturministerium in Madrid ein, um die "Plünderung" dieses Kulturgutes zu verhindern.
Die Stadtratswahl von Valencia im Mai 2015 war geprägt von der Empörung vieler Valencianer gegen die ausufernde Korruption der rechts konservativen Regierung unter Vorsitz von Rita Barbara (Partido Popular). Die linken Parteien Coalició Compromis, PSOE und Podemos bekamen die Mehrheit im Stadtparlament. Sitzverteilung: Coalició Compromis 9 Sitze, PSOE 5 Sitze, Podemos 3 Sitze, PP 10 Sitze, Ciudadanos 6 Sitze.
Ein zentrales Wahlversprechen dieser Parteien war der Stopp von PEPRI. Die neu gewählte Regierung unter dem Bürgermeister Alcalde Joan Ribó (coalició Compromis) setzte ihr Wahlversprechen um:
Die Avenida Blasco Ibañez bis zum Meer wird nicht gebaut.
Standpunkt von "Salvem el Cabanyal": Der Plan PEPRI präsentierte ein überholtes Städtebaukonzept. Dagegen braucht es heute ein nachhaltiges Modell mit wenig Verkehr, mit der Möglichkeit, die Natur besser zu genießen und mit einem nachbarlichen Leben in den Straßen als Angelpunkt einer gemeinsamen Lebensweise. Das kulturelle Erbe des ehemaligen Fischerdorfes Cabanyal ist denkmalgeschützt und muss erhalten werden.
Erklärung zur Bilderreihe: 1. Bild: In Gelb: der Gründungs-Kern des Cabanyal. In Orange: die Erweiterung als Kulturdenkmal. In Rot: Plan PEPRI.
Weitere Bilder: Demonstrationen, Zone des Abrisses, zubetonierte Türen gegen Besetzung von Häusern, Verfall von Häusern mit Jugendstil.
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